Schwächen abschwächen oder Stärken verstärken?

29. Juni 2014

… was Mittelständler aus der aktuellen Bildungsdebatte lernen können.

Seit einiger Zeit führen wir in Deutschland (aus gutem Grund) eine intensive Bildungsdebatte. Aufgeschreckt durch die ersten PISA-Testergebnisse und die Erkenntnis, dass Bildung der wichtigste „Rohstoff“ für unsere zukünftige wirtschaftliche Entwicklung ist, tobt seit Jahren ein Wettbewerb um die besten Konzepte. Glücklicherweise haben wir inzwischen aufgehört, nur auf andere, vermeintlich erfolgreichere Länder zu schielen und haben inzwischen auch die Stärken unseres eigenen Systems im Blick.

rico_oscarBesonders interessant und spannend finde ich die Diskussion darüber, wo die Förderung von Kindern ansetzen sollte: Sollten eher vorhandene Schwächen ausgemerzt oder die Stärken gefördert werden. Mit dieser Frage sollten sich auch Unternehmer intensiv befassen. Warum?

Alex tut sich mit Fremdsprachen schwer. Ihm fehlen sowohl das Sprachgefühl als auch die Begeisterung, und so wollen die Vokabeln einfach nicht ins Hirn. Meistens bekommt er für seine Leistungen eine 4, mit viel Glück auch ‚mal ein „befriedigend“. Physik bereitet ihm dagegen keine Probleme. Er schraubt und lötet auch in seiner Freizeit gerne, und ohne großen Aufwand bringt er regelmäßig gute Noten nach Hause.

Alex bekommt zweimal pro Woche Nachhilfe in Englisch und Spanisch. Nach einigen Monaten ist er in beiden Fächern ein stabiler „3er-Schüler“. Spaß daran, Sprachen zu lernen, hat er dennoch nicht, aber er schwimmt jetzt mit. Genauso funktioniert „Förderung“ in der Regel. Wir machen aus möglichst vielen Kindern „durchschnittliche“ Schüler. Hätte Alex seine Zeit nicht im Nachhilfeunterricht verbracht, sondern in einer Experimentier-AG, wären seine Motivation und das Resultat ein anderes.

„Durchschnittliche“ Leistungen reichen meist nicht, um sich im harten Wettbewerb durch zu setzen. Die Aussage „wir können das, was alle anderen auch können“ wird keinen Kunden überzeugen. Dann doch eher „in diesen Punkt kann uns keiner das Wasser reichen“, oder „wir stehen seit jeher für …“. Es ist also wichtig, vielleicht unerlässlich, die eigenen Stärken hervor zu heben und gezielt weiter zu entwickeln, um nicht austauschbar zu werden.

Natürlich gibt es Grenzen, die nicht unterschritten werden dürfen. Mit einer 5 in Englisch wird Alex das Jahrgangsziel insgesamt verfehlen. Und mit einer 5 in Produktqualität oder Service wird es auch das innovativste Unternehmen am Markt schwer haben.

Was Unternehmen aber vor allem brauchen, um sich im internationalen Wettbewerb dauerhaft zu behaupten, sind Produkte oder Dienstleistungen, die von den Kunden als „besonders“ oder besser noch als „einmalig“ wahrgenommen werden. Dazu müssen sie Ihr Produkt besser „verkaufen“ als ihre Wettbewerber. Und besser heißt für mich vor allem, dass der Kunde erkennt: „dieser Anbieter versteht, wo bei mir der Schuh drückt.“

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben nicht die Möglichkeiten, auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Drei Aspekte sind deshalb wesentlich:

1.) Fokussierung auf (sorgfältig ausgewählte) Zielkunden

2.) Ausbau der eigenen Stärken (die für diese Kunden bedeutsam sind). Meist werden auch die internen Widerstände gering sein: Vorhandene Stärken zu entwickeln fällt meist leichter als bisher fehlende Fähigkeiten aufzubauen.

3.) Verzicht auf alles andere. Diejenigen, die es allen Recht machen wollen, begeistern am Ende niemanden.

Aus Alex wird sicherlich kein Übersetzer werden. Für Medien- und Verlagsunternehmen wird er auch mit „befriedigenden“ Schulnoten kein Kandidat. Ist es da nicht viel sinnvoller, sein Interesse für eine aussichtsreiche Karriere im Maschinenbau oder der Elektrotechnik zu wecken?

 

Abbildung: Carlsen Verlag

5 Antworten to “Schwächen abschwächen oder Stärken verstärken?”

  1. […] Empfehlung für die deutschsprachigen Leser: … was Mittelständler aus der aktuellen Bildungsdebatte lernen können. Schon 3 Jahre her, aber immer noch […]

  2. […] Durchschnittliche Leistungen reichen meist nicht, um sich im harten Wettbewerb durch zu setzen. Die Aussage „wir können das, was alle anderen auch können“ überzeugt niemanden. Dann doch eher „wir stehen seit jeher für …“. Es ist unerlässlich, die eigenen Stärken hervor zu heben und gezielt weiter zu entwickeln, um nic… […]

  3. […] My own experience is this: SMEs simply can’t  juggle too many balls at once. They need to focus on their target ma… […]

  4. […] also verzweifeln oder andere für unser Schicksal verantwortlich machen, sollten wir uns auf unsere Stärken besinnen. Was haben wir nicht schon alles erreicht? Was ist denn tatsächlich richtig schief […]

  5. […] Actively cut back what is past its prime. Most executives are reluctant to take the necessary first step toward innovation: continually winding down what is no longer making a real contribution. To Focus on a business – no matter if established or new – involves decisions on what not to do. […]

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