Mut zum „good-enough“?

28. Februar 2014

CE_ChinaIn der vergangenen Woche hat der VDMA die Ergebnisse einer Studie vorgelegt, die die Strategien chinesischer Maschinenbauer entlang der Wertschöpfungskette aufzeigt. Für die Studie wurden über 300 Interviews in ausgewählten chinesischen Unternehmen geführt.

Die Erkenntnisse, wenn auch nicht durchweg neu, bieten durchaus Anlass zum Nachdenken. Und einige Schlüsse müssen m.E. auch kritisch hinterfragt werden:

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, so der Präsident des VDMA, Dr. Reinhold Festge, „dass das größte Potenzial für den deutschen Maschinenbau in China in dem mittleren Technologie- segment liegt. Auf dieses Segment müssen die deutschen Unternehmen ihr Angebot verstärkt ausrichten und ihre Produkte noch besser an die Kundenbedürfnisse anpassen. Das kann auch einmal Mut zum „Good-enough“ bedeuten.

Was bedeutet denn der Begriff „good enough“? (Miss-) verstanden bedeutet „good enough“ oftmals „Abstriche bei der Qualität“. Aber im eigentlichen Sinne ist doch gemeint, dass wir unseren Kunden Angebote machen, die ihren Anforderungen entsprechen. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist aus meiner Sicht nicht spezifisch für den chinesischen Markt. Over-Engineering ist eine Krankheit, die insbesondere deutsche Unternehmen überall in der Welt befallen kann.

Richtig schwierig und ziemlich komplex wird die Frage nach der Umsetzung: „Generell gilt: Die deutschen Unternehmen dürfen sich nicht in die Spitze der Technologiepyramide abdrängen lassen. Dort ist der Markt zu klein (Wirklich?). Der chinesischen „Bottom-up-Strategie“ müssen wir eine „Top- down-Strategie“ entgegensetzen.“

Hier sehe ich mindestens zwei Herausforderungen:

  1. Wie lassen sich Kannibalisierungseffekte minimieren? Denn ein Teil der bisherigen Premium-Kunden wird auch mit der „mittleren Technologie“ leben können.
  2. Wer soll die neuen Produkte entwickeln? Denn wer bisher an der „S-Klasse“ gearbeitet hat, muss umdenken, wenn er zukünftig einen Skoda bauen soll. Ich spreche bewusst nicht von einem Dacia.)

Die Analysten empfehlen eine stärkere Integration „China“ in den Unternehmensverbund und eine maximale Ausschöpfung der Lokalisierung (inkl. F&E) – und somit auch einen verstärkten Know-How-Transfer …

„Das gilt auch vor dem Hintergrund einer verstärkten Preissensitivität im chinesischen Markt. (Ist das wirklich so?) Wenn wir das mittlere Technologiesegment nicht ausreichend bedienen, verlieren wir sukzessive an Marktanteilen und überlassen den Markt ganz den chinesischen Wettbewerbern.“

Meistens (wenn nicht immer) lassen sich im Premiumsegment höhere Margen erzielen, als in den Volumensegmenten. Wie viel Profit sind wir bereit, im Kampf um Marktanteile zu opfern? Und wie viel Profit benötigen wir, um (weiterhin) Technologieführer zu bleiben?

Vielfach werden in China einfachere Produkte nachfragt, als beispielsweise in Nordeuropa oder den USA. Sicherlich sind viele Sicherheits- und Umweltstandards nicht vergleichbar. Allerdings gehören nach meiner Erfahrung chinesische Kunden zu den anspruchsvollsten Kunden überhaupt. Wir dürfen es uns nicht zu leicht machen. „Anders“ heißt nicht zwangsläufig „schlechter“.

Vor gar nicht allzu langer Zeit äußerte in einer anderen Studie die große Mehrheit von 94% der befragten chinesischen Unternehmen, dass deutsche Hersteller nicht ausreichend auf chinesische Kundenwünsche eingehen. Das sollte uns zu denken geben.

2 Antworten to “Mut zum „good-enough“?”

  1. […] die Preise erhöhen, um die Marge zu steigern oder zumindest Kostensteigerungen weiter zu geben. Die Konzentration auf bestimmte Produkte und Kundengruppen verspricht – davon bin ich fest überzeugt – bei vielen Unternehmen mehr Erfolg als das […]

  2. […] 4.0″ bieten, sieht die Studie zusätzliches Potenzial im Ausbau des sog. Midtech-Bereich. Zu diesem Ergebnis kam bereits Anfang des Jahres eine Untersuchung des VDMA. Aber, sind deutsche Firmen dafür “good enough”? Wie (und mit welchen Produkten) soll […]

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