House of Cards, oder gebt uns, was wir wollen!

7. Dezember 2013

Ende August hielt Kevin Spacey eine viel beachtete Rede auf dem „Edinburgh Television Festival“. Er sprach über den Erfolg der Serie „House of Cards“ und über das Geschäftsmodell des Video-Streaming-Dienstes Netflix. Netflix, erklärte Spacey, habe die Lektion gelernt: „den Leuten zu geben was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form, in der sie es wollen und zu einem vernünftigen Preis.“

Der fortschreitende Strukturwandel (Industrie 4.0, Smart Cities, 3D-Druck etc.) stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen. In meinem Post „Survival of the Smartest“ habe ich einige vielversprechende Ansätze für das digitale Zeitalter aufgegriffen.Das Fernsehen liefert dafür anschauliche Beispiele:

Veränderungen als Chance begreifen, Geschäftsmodelle ändern, bestehende Produktportfolios straffen und neue Wachstumsfelder erschließen!

Auslöser für den zunehmenden Innovationsdruck sind u.a. Technologisierung und neue Kundenbedürfnisse.

Netflix startete im Jahr 1997 als Verleiher von DVDs. Erst der massive Ausbau der Breitbandkapazitäten 10 Jahre später lieferte die technische Basis dafür, Programme „in Echtzeit“ anzubieten. Im Gegensatz zu den bisherigen Wettbewerbern (z.B. Blockbuster und Amazon) trieb Netflix die Transformation zu einem Video-Streaming-Dienst konsequent voran. Das neue Geschäftsmodell war die Grundlage für ein enormes internationales Wachstum. (Und der Kapitalbedarf für die Expansion ist vergleichsweise gering).

Produkte und Vermarktung an neuen Kunden ausrichten!

Traditionelle Geschäftsmodelle geraten zunehmend unter Druck. Wenn es um zukünftiges Potenzial geht, darf nicht die Analyse des aktuellen Geschäftes im Vordergrund stehen, sondern eine intensive Auseinandersetzung mit den zukünftigen Anforderungen der (alten und neuen) Zielkunden.

„Gebt den Zuschauern was sie wollen“: mit dieser Floskel könnten auch die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten ihr Beruhigungsfernsehen rechtfertigen. Dass stattdessen „bei Netflix am Ende ein intelligenter Politthriller herauskommt “… liegt daran, „dass es seinen Erfolg nicht mit einem bizarren Kriterium wie der Quote misst“, schreibt Harald Staun in der F.A.S. vom 10.11.2013. Und weiter: „ Wenn zehn Millionen Zuschauer am Sonntag „Tatort“ schauen, dann ist das ein Publikum, von dem auch die erfolgreichsten amerikanischen Serien nur träumen können. Aber es heißt eben auch, dass sich über 50 Millionen Beitragszahler nicht einmal für den Tatort interessieren.“

Markt- und branchenübergreifendes Denken ist gefragt!

Dabei geht es nicht nur um Anforderungen an das „Produkt“ – bei Netflix Filme und Serien. Vertriebswege, Service und andere Prozesse müssen ebenfalls betrachtet werden.

Es ist schon einige Jahrzehnte her, dass Theodore Levitt feststellte: „Kunden wollen keinen Bohrer, sondern ein Loch in der Wand.“ Was also wollen Kunden tatsächlich?

  • Schallplatten, CDs besitzen – oder einfach Musik hören? (itunes u.a.)
  • Zeitungen – oder Nachrichten und Hintergründe? (unzählige Portale und blogs)
  • Ein beliebiges (und vielleicht „mehrheitsfähiges“) Radioprogramm – oder maßgeschneiderte Inhalte? (Spotify, itunes-Radio, Google Play Music etc.)
  • Massenhaft produzierten (und daher preiswerten) Modeschmuck – oder individuelles Design? (aus dem 3D-Drucker)

„Es gibt all diese komplizierten und exotischen Beschreibungen dessen, was wir machen“, sagt Netflix-Programmchef Ted Sarandos. Es sei aber ganz einfach: „Was wir machen, ist Fernsehen.“ (Aber eben Fernsehen von heute.)

Die Produkte zielgerichtet an den Bedürfnissen der zunehmend digitalen, heterogenen, individualisierten und unabhängigen Kundschaft ausrichten!

Kundennähe und -feedback sind wichtige Voraussetzungen, um rechtzeitig zu erkennen, wenn Sie auf dem Holzweg sind. Zudem wird das Interesse der Kunden steigen, selbst Einfluss auf das Produkt zu erhalten und mit zu gestalten. Ganz im Gegensatz zum traditionellen TV-Konsumenten nutzt die „Online-Community“ diese Möglichkeiten intensiv. Dadurch ergeben sich großartige Möglichkeiten zur Kundenbindung.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: